Zosim Lwowitsch Kreynis - Juden in Sachsen

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Zosim Lwowitsch Kreynis

Nach dem Krieg zogen wir nach Orjol um. Mein Vater erhielt eine Stelle als Buchhalter. 1952 schloss ich die Musikschule im Fach Violine ab und beendete die Schule mit Auszeichnung und „Goldmedaille". Ich träumte vom Militärdienst. Die Militärkommandantur erteilte mir die Zuweisung für die Panzerhochschule Stalin. In den 50er Jahren spürte man überall den staatlich verordneten Antisemitismus. Deshalb lehnte mich die Militärhochschule ab. Auch an der Moskauer Staatlichen Universität durfte ich nicht studieren, obwohl ich die Schule mit einer Goldmedaille abgeschlossen hatte. Juden wurden zu dieser Zeit überall abgelehnt.

Dagegen durfte ich an der Ingenieurhochschule für Eisenbahntransport studieren. Ich wusste damals nicht, dass ich meine Aufnahme zum Studium dem Einfluss L. M. Kaganowitschs zu verdanken hatte. Kaganowitsch war damals Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU. Da es an Fachkräften bei der Eisenbahn mangelte, bat der Rektor des Instituts Kaganowitsch, Juden zum Studium zulassen zu dürfen.

Ich war ein guter Student und nahm auch außerhalb des Studiums aktiv am gesellschaftlichen Leben teil. Ich war Komsomolfunktionär und gründete an unserem Institut eine studentische Kabarettgruppe ähnlich der späteren KWN („Klub der Lustigen und Findigen"). Ich beteiligte mich an Schachturnieren und kandidierte für den Ehrentitel „Meister des Sports" im Fach Schach.

Nach dem Studium ging ich nach Orjol zurück und arbeitete als Eisenbahningenieur. Ich war auch der Sekretär der Komsomolorganisation des Orlowsker Eisenbahnknotenpunktes. Dann ging ich nach Moskau, verteidigte erfolgreich meine Promotion und meine Habilitation und leitete 40 Jahre den Lehrstuhl für Fernstudium an der Ingenieurhochschule für Eisenbahntransport.

Im Jahr 2002 zog ich mit meiner Familie in die BRD um. Hier in Leipzig habe ich vier Bücher zum Thema Eisenbahntransport geschrieben.

(gekürzte Variante)

Übersetzung: Irina Trippel, Redaktion: SW, Dr. Dorothea Ernst
Der Text entstand auf der Basis eines Interviews, das Mitarbeiter des Projekts „Oral History" (IWOS Leipzig beim DRZ Sachsen e. V.) geführt haben. Leiter des Projekts: Igor Kadykov.

 
 
 
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