Leipzig bis 1933 - Juden in Sachsen

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Zeittafel zum Leben der Juden in Leipzig bis 1933

12. - 14. Jhd. | 15. - 18. Jhd. | 19. Jhd. | 20. Jhd. | Weimarer Republik

12. Jhd. - 14. Jhd.
Frühe Ansiedlung von Juden in Leipzig

Erste Anhaltspunkte für die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Leipzig (nach unterschiedlichen Überlieferungen möglicherweise um 1250 bereits Existenz einer jüdischen Siedlung - „Judenburg" - außerhalb der Stadtmauern Leipzigs)

1348 - 50

Pestepidemie in Deutschland führt zu Pogromen an Juden u. a. in Dresden und Meißen (zuvor 1348 in Oschatz und Eilenburg).

1359

Urkundlicher Nachweis einer jüdischen Siedlung einschließlich Synagoge und Schule vor den Mauern der Stadt Leipzig (Judengasse, Judenburg an der Pleiße in der Nähe der Barfußmühle)

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15. Jhd. - 18. Jhd.
Zwischen Schutz und Verfolgung im meißnisch-sächsischen Territorialstaat unter den Wettinern

1425

Schutzbrief des Kurfürsten Friedrich für alle Leipziger Juden

1436

Der Hofjude und Bankier des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen, Abram Esra (1418-46, auch genannt Abraham von Leipzig), wird in die Leipziger Stadtgemeinde aufgenommen.

1441

Nach Verfolgung und Erpressung verlässt Abraham von Leipzig die Stadt. Ende der „Ersten jüdischen Gemeinde".

Jüdisches Leben und die Messen in Leipzig
Mitte des 16. Jhd.

Vertreibung der jüdischen Einwohner aus Plauen und Zwickau, eventuell in Zusammenhang mit der Reformation („Unglücksjahr 1543"). Juden dürfen sich außer zum Zweck des Messehandels (Judenfreimacher) nicht mehr ansiedeln.

15. - 18. Jhd.

Regelmäßige Messebesuche jüdischer Kaufleute (Messjuden); allein zwischen 1688 und 1764 kamen 81.937 jüdische Kaufleute vor allem aus Osteuropa. In diesem Zeitraum zahlten sie 719.661 Taler an Abgaben. Ihre Quartiere befanden sich in der alten „Judengasse"; seit etwa 1700 auf der Osthälfte des Brühl.

Anfang des 18. Jhd.

Münzjuden und Judenfreimacher wie Gerd Levi und Elkan Hertz werden in Leipzig mit Niederlassungsrecht ansässig.

2. Hälfte des 18. Jhd.

Im Zeichnen der Aufklärung und der Französischen Revolution Lockerung der Bestimmungen, die eine Ansiedlung von Juden verbieten.

1763/64

Brody Schul am Brühl 71 im „Blauen Harnisch". Hier unterhielt auch die aus Brody stammende Rauchwarenhändlerdynastie der Harmelin ein Warenlager.

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19. Jhd.
Entfaltung des Leipziger Judentums:
Aufklärung, Integration und Abwehr des neuesten Antisemitismus

um 1800

Hoher Anteil jüdischer Kaufleute, vor allem aus Polen unter den Besuchern der Messen

1814

Konzessionierung des ersten israelitischen Friedhofs in der Stadt - im Johannistal neben der Sternwarte (Ehemaliger Israelitischer Friedhof)

1820 - 1835

Vielzahl privater Betstuben der jüdischen Messekaufleute entstehen: Wilnaer, Merkin, Dessauer, Halberstädter u. a. Synagogen, insgesamt sieben Betlokale, vor allem für ostjüdische Messebesucher. Allmähliches Anwachsen der Zahl ortsansässiger Juden.

um 1834

Entstehung der „Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig" mit der Wahl eines provisorischen Religionsvorstandes

1837

Gesetz über die „Religionsausübung der Juden": in Leipzig wohnenden Juden wird gestattet, Gemeinden zu gründen. Der Grundstückserwerb wird teilweise erlaubt. Damit wird ein Synagogenbau möglich.

1838

Dauernder Aufenthalt in der Stadt erlaubt.

1839

Salomon Veith erhält als erster Leipziger Jude das Bürgerrecht.

1843

Felix Mendelssohn-Bartholdy gründet das erste deutsche Konservatorium in Leipzig und wird Ehrenbürger der Stadt.

1844

Herausgabe der Schriften von Moses Mendelssohn im Brockhaus-Verlag.

1846

Die Gleichberechtigung der Juden führte zur Gründung der zweiten jüdischen Gemeinde in Leipzig durch die Gründung der Israelitischen Gemeinde zu Leipzig und Bestätigung des „Provisorischen Statuts der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig".

1847

Wahl der Gemeindevertretung und des Vorstandes durch die etwa 150 in Leipzig lebenden jüdischen Einwohner

1854

Grundsteinlegung für die Gemeindesynagoge an der Zentralstraße (Gottschedstraße)

1855

(10. September) Einweihung der Gemeindesynagoge (des „Tempels")

1864

Belegungsbeginn auf dem Alten Israelitischen Friedhof in der Stadt - an der Mockauer Straße (jetzt Berliner Straße). Belegt bis 1928.

1869

Gründung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes auf der Leipziger Synode. Dies war das Verdienst führender Juden wie Prof. Moritz Lazarus und Dr. Samuel Kristaller.

1869

Gesetzliche Regelungen zur völligen bürgerlichen und rechtlichen Gleichstellung der Juden in Sachsen

Nach 1870

Schnelles Anwachsen der Zahl jüdischer Bürger, die vor allem aus Osteuropa (Russland, Polen und Galizien) stammen.

1890 4.294 Einwohner jüdischer Religion
1900 6.171 Einwohner jüdischer Religion

1874

Moritz Kohner wird als erster jüdischer Abgeordneter in den Stadtrat von Leipzig gewählt.

1879

Klage des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in Leipzig gegen einen Dresdner Hofverlagsbuchhändler und gegen die Bildung einer Antisemiten-Liga in Dresden

1882

1. Internationaler antisemitischer Kongress in Dresden

1885 - 1887

Theodor Fritsch aus Delitzsch veröffentlicht die Antisemitische Correspondenz, den Antisemiten-Katechismus sowie das antisemitische Handbuch zur Judenfrage.

1886

Gründung des Institutum Judaicum durch Franz Delitzsch an der Universität Leipzig. Damit entsteht in Leipzig die deutschlandweit einzige Einrichtung, die es jüdischen Theologen ermöglicht, einen „bürgerlichen" akademischen Grad zu erlangen. Es wird der Grundstein für die Leipziger Schule der Judaistik und Orientwissenschaften gelegt.

1896

Georg Witkowski wird Professor für Philologie an der Universität Leipzig. Als einflussreicher Förderer und Kenner der Bibliophilenszene in Leipzig und Weimar verfasst er u.a. „Die Geschichte des Literarischen Lebens in Leipzig", 1909 sowie „Von Menschen und Büchern. Erinnerungen 1863 - 1933". Dieses Buch entsteht nach seiner Emigration 1937/38.

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20. Jhd.
1904

Umbau des Gebäudes in der Keilstraße 4 für den „Talmud Thora"-Verein mit der sogenannten „Brodyer"-Synagoge

1905

Errichtung der „Henriette-Goldschmidt-Stiftung" und Gründung der ersten Pädagogischen Hochschule für Frauen in Deutschland.

1911

Gründung der Ortsgruppe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens

Eröffnung des Konfektionshauses Bamberger & Hertz am Augustusplatz

1912

Gründung der Höheren Israelitischen Schule

1913

Einweihung des Schulgebäudes an der Gustav-Adolf-Straße (heute: Zentralbücherei für Blinde)

 

1919 - 1933 Jüdisches Leben in der Weimarer Republik
1922

Einweihung der „Ez Chaim"-Synagoge in der Otto-Schill-Straße

1923

Eröffnung der Hebräischen Sprachschule in der Pfaffendorfer Straße

1923

Julius Krause (SPD) wird Stadtrat (1923 - 1924 und 1926, 1930 - 1933 ehrenamtliches Ratsmitglied).

1923

Von 1923 bis 1933 wird Gustav Brecher zu einer einflussreichen Größe des Leipziger Musiklebens. 1923 übernimmt er die Generalmusik- und Operndirektion der Stadt. Brecher und der ab 1929 als Kapellmeister des Gewandhauses wirkende Walter machen Leipzig zu einer innovativen und experimentierfreudigen, der neuen Musik eines Weill, Krenek und Brecht sowie anderer neuzeitlicher Künstler aufgeschlossenen Musikstadt. Mehr als das, auch das Theaterleben profitiert von der progressiven künstlerischen Aura, beispielsweise mit der Aufführung der Stücke Ernst Tollers.

1924

Erstmals Vertretung von Ostjuden und Frauen in einer Gemeindesitzung

(Sommer) Die Synagoge in der Gottschedstraße Ecke Zentralstraße wurde mit Hakenkreuzen beschmiert.

1924

Mit Dr. Ephraim Carlebach wurde erstmals in Leipzig ein orthodoxer Gemeinderabbiner berufen. Damit gehörten zum Gemeindeamt nunmehr ein Liberales Rabbinat (Dr. Felix Goldmann und Gustav Cohn) und ein Orthodoxes Rabbinat (Dr. Ephraim Carlebach). Nach dem Bau der orthodoxen Ez Chaim Synagoge (Eitingon) in der Otto-Schill-Straße war Carlebach Rabbiner der orthodoxen Synagogen, sowohl der Talmud Thora Synagoge als auch der Ez Chaim Synagoge.

1925

Über 13.000 ortsansässige Bürger jüdischen Glaubens leben in Leipzig und Umgebung. Damit ist die Leipziger Großgemeinde die sechstgrößte jüdische Gemeinde der Weimarer Republik. Höhepunkt in Zahl und Wirksamkeit. Soziale Zusammensetzung: große Mittelschicht, Anteil an Geschäftsleuten und Intelligenz, Bestehen eines jüdischen Proletariats

1925

Erscheinen des ersten Jahrgangs des „Gemeindeblattes"

1925

(Herbst) Plan eines Sprengstoffattentats auf die Synagoge in der Gottschedstraße Ecke Zentralstraße wird entdeckt. Ein Leipziger Gericht verurteilt die Beschuldigten zu fünf Jahren Zuchthaus

1926

Das Leipziger Stadtparlament würdigt die Verdienste des jüdischen Porzellanfabrikanten Philipp Rosenthal um die Leipziger Mustermesse mit der Umbenennung des Windmühlenwegs in Philipp-Rosenthal-Straße.

1927/1928

Bau des „Kroch-Hochhauses". Hans Kroch wird 1887 in Leipzig geboren. Er ist seit 1921 Besitzer des Bankhauses Kroch jun. KG. a.A., das er von seinem Vater übernommen hatte. Kroch lässt das nach ihm benannte Hochhaus am Augustusplatz bauen und eine Wohnsiedlung in Gohlis (1929) anlegen. Architekt des Hochhauses ist German Bestelmeyer. Das „Kroch-Hochhaus" ist der erste Betonstahlbau und zum damaligen Zeitpunkt das höchste Gebäude Leipzigs.

1928

Eröffnung des Neuen Israelitischen Friedhofs - an der Delitzscher Landstraße (jetzt Delitzscher Straße) mit der Einweihung der Feierhalle.

1928

Einweihung des Eitingon Krankenhauses und Umbenennung der anliegenden Straße in Eitingonstraße

1928

Die Jüdische Volkspartei nimmt an den Gemeindewahlen teil. Auf der Liste der orthodoxen JV sind zahlreiche bekannte jüdische Persönlichkeiten wie Benjamin Sachs, Louis Tumpowsky, Hans Abelsohn u. a. verzeichnet.

1929

Einweihung des Messehauses Petershof. Das Bauwerk schmücken sechs allegorische Figuren. Eine davon stellt - mit den Gesichtszügen von Hans Kroch - die Bedeutung des Bankgewerbes für Leipzig dar. Die Plastiken werden nach 1933 entfernt und sind seitdem nicht auffindbar.

1930

Gründung des Jüdischen Gesangvereins e.V. „Hasamir".

1931

Eröffnung des Sächsischen Israelitischen Altersheims zu Leipzig (Ariowitsch Stiftung).

1932

Im „Jüdischen Jahrbuch für Sachsen 1931/32" bezeichnet Rabbiner Dr. Felix Goldmann Leipzig als „das Zentrum des literarisches Judenhasses". Gemeint war u. a. der aus Delitzsch stammende antisemitische Publizist und Verleger Theodor Fritsch (Antisemiten-Katechismus, Hammer-Verlag).

1933

(22. bis 29. Januar) Werbeschau der Leipziger jüdischen Handwerker im Österreichischen Messhaus in der Hainstraße 16

 
 
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