Leipzig 1933 - 1945 - Juden in Sachsen

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Zeittafel zur Vernichtung jüdischen Lebens in Leipzig 1933-1945

1933 - 1934 | 1935 - 1939 | 1940 - 1945

1933 - 1934
1933
30. Januar
Machtübertragung an Hitler und die NSDAP, Antisemitismus wird zur Staatsdoktrin

1. und 2. April
„Juden-Boykott". Boykott gegen jüdische Geschäftsleute; Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Entlassung namhafter Wissenschaftler und Künstler; erste Welle der Vertreibung; Ringen um jüdische Selbstbehauptung beginnt.

November
Umwandlung des Ethnologisch-Anthropologischen Instituts an der Universität Leipzig in das Institut für „Rassen- und Völkerkunde", das bei der Formulierung der Nürnberger-Gesetze mitgearbeitet hat. Leipzig wird zu einem Zentrum der Rassenideologie in Deutschland.

1933/34
In der „Zelle Zentrum" aktiver Widerstandskampf von jüdischen KJVD-Angehörigen, darunter Erica Gottschalk und Alfred Gerst bis zur Verhaftung der Gruppe

Maßnahmen gegen „nichtarische" Ärzte (Ausschluss von der kassenärztlichen Behandlung)

1934
4. Februar
Gastspiel des Kulturbundes Deutscher Juden Berlin in einer Matinee im Leipziger Schauspielhaus mit G. E. Lessings „Nathan der Weise".

Dezember
Gründung des Jüdischen Kulturbunds in Leipzig.

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1935 - 1939
1935
Berufsverbot für jüdische Schriftsteller

Sperrung der Frei- und Hallenbäder, Verbot des Besuches kultureller Veranstaltungen, von Bibliotheken, Museen und öffentlichen Parkanlagen für Juden

15. September
Nürnberger Gesetze: Verkündung des „Reichsbürgergesetzes" sowie des „Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" durch Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg.

Höhepunkt jüdischer Selbstbehauptung, Ausbau von mehr als 70 Vereinen mit der Israelitischen Religionsgemeinde an der Spitze trotz scharfer Überwachung und Repressalien

1936
9. November
Abriss des Denkmals für Felix Mendelssohn-Bartholdy

1938
„Arisierung" jüdischer Firmen, Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden über 5000 Reichsmark. Etwa 1.600 Gewerbetreibende, darunter 577 Großhandlungen, werden geschlossen bzw. liquidiert (Zwangsveräußerung). Vor allem der „Brühl" als internationales Pelzhandelszentrum ist betroffen.

1. Oktober
Berufsverbot für jüdische Ärzte

27. und 29. Oktober
„Polenaktion". Im Oktober 1938 werden rund 17.000 Juden vom Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei ausgewiesen (Aufenthaltsverbot) und sofort abgeschoben. Zu diesem Zeitpunkt leben in Leipzig 3.300 polnische Juden. 1567 polnische Juden werden sofort abgeschoben. 1300 Menschen rettet der polnische Generalkonsul Felics Chiczewski mit Sitz in der Villa Ury vor der sofortigen Abschiebung. Im Gegenzug müssen sich die polnischen Juden verpflichten, ihre zügige Auswanderung zu organisieren, sich beim Ausländeramt registrieren lassen und unter ständiger Kontrolle ihre Auswanderung vorbereiten.

9./10. November
„Reichskristallnacht" - organisierte Pogrome in ganz Deutschland. Allein im Zentrum Leipzigs werden zwei Synagogen zerstört: die Gemeindesynagoge, die Ez Chaim Synagoge Otto-Schill-Straße. Fünf weitere Synagogen werden beschädigt; 200 jüdische Geschäfte, zahlreiche Wohnungen und Vereinslokale überfallen.

10. bis 13. November
„Judenaktion". Verhaftungen von 534 Personen und Überführung nach Buchenwald und in andere Konzentrationslager

12. November
„Verordnung über die Sühneleistung der Juden deutscher Staatsangehörigkeit"; Juden deutscher Staatsangehörigkeit müssen eine Milliarde Reichsmark Kontribution an den faschistischen Staat zahlen, von Juden in Leipzig sind mehrere Millionen Mark aufzubringen.

17. und 25. November
Letzte kollektive Aktionen jüdischen Widerstands: 40 Juden polnischer Staatsangehörigkeit des Vereins polnischer Kaufleute und Gewerbetreibender zu Leipzig fordern die Wiedereröffnung von zwei Synagogen zur Abhaltung von Gottesdiensten.

1939
Erneute Deportation von wahrscheinlich 1.000 Juden an die polnische Grenze

Mit Kriegsausbruch verringern sich die Emigrationschancen für Juden. Lebensmittelkarten für Juden werden mit einem „J" gekennzeichnet.

April
Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden: Exmittierungen in großer Zahl, Zwangsumsiedlung in 47 „Judenhäuser" in der Humboldtstraße , Keilstraße, Blümelstraße (jetzt Löhrstraße), Funkenburgstraße, Jacobstraße, Gustav-Adolf-Straße, Auenstraße (jetzt Hinrichsenstraße) und Gerberstraße. Im Ghetto, d. h. in den Judenhäusern leben 2360 jüdische Haushalte.

22. November
Laut der „Leipziger Tageszeitung" seien die Nord- und Westvororte Leipzigs „fast judenfrei" und auch „die Umquartierung der unerwünschten Gäste mache erfreuliche Fortschritte"

Jahresende
Schließung des Israelitischen Krankenhauses (Eitingon-Stiftung), Zwangsverlegung der Kranken in eine Ghetto-Baracke in Dösen.

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1940 - 1945
Kennzeichnung jüdischer Bürger durch eine Armbinde

1941
19. September
Seit diesem Tag müssen Juden den gelben „Judenstern" sichtbar tragen.

1942
20. Januar
Wannsee-Konferenz zur „Endlösung der Judenfrage"

21. Januar
Beginn der „Endlösung" in Leipzig mit der Deportation von über 700 Juden in das Todeslager Riga. Weitere Verschleppungen in Todeslager folgen, u. a.:

1942 (10. Mai) 369 Juden nach Belzyce bei Lublin;
1942 (13. Juli) 170 bis 191 Juden „nach Osten";
1942 (11./19. September) 443 bis 476 Juden nach Theresienstadt;
1943 (17. Februar) 184 Juden „nach Osten";
1943 (18. Juni) 28 Juden nach Theresienstadt;
1944 (13. Januar) 33 Juden nach Theresienstadt;
(Transporte finden auch nach Auschwitz, Buchenwald, Dachau u. a. KZ-Lager statt).

März
Wohnungen jüdischer Bürger müssen mit dem „Judenstern" gekennzeichnet sein; die Wohngemeinde darf nur mit polizeilicher Genehmigung verlassen werden.

Juni
Schließung der Höheren Israelitischen Schule (Carlebachschule) und der Jüdischen Volksschule angeordnet

1943
Februar
Fünfte Deportation aus Leipzig, mit diesem Transport wird u.a. Hedwig Burgheim nach Auschwitz deportiert. Leipziger Tageszeitungen berichten das Waldstraßenviertel sei nun „judenfrei".

1945
Letzter Transport mit 169 jüdischen Bürgern nach Theresienstadt

 
 
 
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