Lazarusstraße - Juden in Sachsen

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Lazarusstraße

1905

Lazarusstraße, Anliegerstraße in Schönefeld; nach M. Lazarus benannt.

Moritz (eigentlich Moses) Lazarus (* 15. September 1824 in Filehne (heute Wieleń) in der damaligen preußischen Provinz Posen; † 13. April 1903 in Meran) war ein deutscher Psychologe. Zusammen mit seinem Schwager Heymann Steinthal gehört er zu den Mitbegründern der Völkerpsychologie auf Herbartscher Grundlage.

Moritz Lazarus war der Sohn des Aaron Levin Lazarus († 26. Februar 1874), eines Schülers von Akiba Eger. Gemeinsam mit seinem Bruder Leyser besuchte Lazarus die Schule der jüdischen Gemeinde in Filehne. Von 1841 bis 1844 absolvierte er zunächst eine kaufmännische Lehre in Posen und anschließend bis 1846 ein deutsches Gymnasium. Danach studierte Lazarus an der Universität Berlin die Fächer Philosophie, Geschichte und Philologie. Hier war er ein Schüler von Johann Friedrich Herbart. 1850 wurde Moritz Lazarus promoviert; und im selben Jahr heirateten er und Sarah Lebenheim.

Ebenfalls 1850 entschied sich Lazarus für die Psychologie und veröffentlichte ein Jahr später einen Aufsatz Über den Begriff und die Möglichkeit einer Völkerpsychologie als Wissenschaft. Im Verlag von Heinrich Schindler publizierte Moritz Lazarus 1856 den ersten Band und 1857 den zweiten Band seines Werkes Das Leben der Seele in Monographien über seine Erscheinungen und Gesetze. Um das Jahr 1880 folgte im Dümmler-Verlag ein dritter Band.

1859 wurde Lazarus als Honorarprofessor an die Universität Bern berufen. Er war der erste Professor jüdischer Herkunft an der philosophischen Fakultät. Ab 1864 amtierte Lazarus in Bern als Rektor und Dekan. Im Jahr 1867 folgte er einem Ruf an die Preußische Kriegsakademie in Berlin als Dozent für Philosophie. 1874 erhielt Lazarus eine Professur für Philosophie an der Berliner Universität.

1882 bis 1894 war Lazarus stellvertretender Präsident des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds, einem Dachverband der jüdischen Gemeinden Deutschlands zur Kooperation im Verwaltungswesen, sowie vor allem zur Hebung des sozialen, wissenschaftlichen und ethischen Lebens der Juden. Gegründet 1869 in Leipzig, 1882 Umzug nach Berlin, bis zu 800 Gemeinden als Mitglieder.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Sarah Lebenheim heirateten 1895 Moritz Lazarus und Nahida Ruth Remy. Seine zweite Frau war durch Lazarus Einfluss zum jüdischen Glauben konvertiert.

Lazarus war ein großer Musikliebhaber. Zu seinem Freundeskreis gehörte die Pianistin Clara Schumann, mit der er in den Jahren 1866 bis 1895 zudem eine intensive Korrespondenz führte.

Moritz Lazarus gilt als Vorkämpfer für die Rechte des Judentums und als Initiator der Zeitschrift für Völkerpsychologie, die er gemeinsam mit Heymann Steinthal herausgab. 1891 erfolgte die Umbenennung in Zeitschrift des Vereins für Volkskunde.

Unter dem Vorsitz von Lazarus wurde die erste Israelitische Synode 1869 in Leipzig abgehalten, die Rabbiner, Wissenschaftler und führende Laien aus sechzig Gemeinden Deutschlands, Österreichs und anderer Länder Europas und Amerikas versammelte. Diese Synode befasste sich mit den Reformbestrebungen im Judentum und billigte erstmals einige neue Formen der jüdischen Religionsausübung wie beispielsweise den Gebrauch der Orgel in der Synagoge.

Der Soziologe Georg Simmel bezeichnete sich als Schüler des Völkerpsychologen Lazarus, der seinen wissenschaftlichen Blick entscheidend beeinflusst habe.

Literatur/Quellen:

 
 
 
 
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