Kaufhaus M. Joske - Juden in Sachsen

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Kaufhaus M. Joske & Co.

1900

1895 gründeten die aus Birnbaum an der Warthe stammenden Isidor und Paul Joske in der Windmühlenstraße das Textilkaufhaus Gebr. Joske. 1898 übernahmen Isidors Bruder Michaelis Joske und Marcus Schmoll die Geschäftsführung des  Textilwarenhauses auf dem Grundstück der Windmühlenstraße 6 - 8 und 10 - 14 sowie der Kramerstraße 1.

1904 zog sich Michaelis Joske aus der Firma Gebr. Joske zurück und konzentrierte seine Tätigkeit auf  das seit 1900 in  Leipzig-Plagwitz geplante Kaufhaus, das als M. Joske & Co. an ihn als Alleininhaber überging. Das Universalkaufhaus in der Karl-Heine-Straße 43 bot Waren aller Art an und war bis 1912 in Plagwitz das erste Haus am Platze. 1912 erweiterte Joske die Verkaufsräume durch einen Ausbau auf dem neu erworbenen Grundstück Ziegelstraße 1. Die Ladenräume in der Ziegelstraße wurden über einen Lichthof eingebunden. Den Umbau gestaltete der Architekt Hugo Schuhknecht.

Joske war Mitglied im Wohltätigkeitsverein und im Fürsorgeausschuss der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. 1924 übernahmen die Söhne Joskes, Hans und Julius, die Geschäfte. 1927 bis 1929  erweiterte sich die Verkaufsfläche nochmals durch einen Umbau, den der Architekt Wilhelm Haller ausführte. Nach diesen Erweiterungsinvestitionen traf die Boykott-Politik der Nationalsozialisten ab 1933 die Firma hart. Warenbestellungen wurden nicht realisiert, Preise erhöhten sich, Zulieferbeschränkungen verringerten den Absatz. Im November 1934 musste die Firma Kaufhaus M. Joske & Co. aufgelöst werden.

Julius und Hans Joske flohen 1939 nach Frankreich. Hans Joske musste seine Familie in Deutschland zurücklassen - aufgrund des Kriegsausbruchs wurde er in Frankreich interniert und konnte nicht für die Ausreise von Frau und Kind sorgen. Beide wurden in Auschwitz ermordet. Der letzte Überlebende der Kaufhausdynastie ist Gideon Bar-Joseph, früher Helmut Joske. Der 84-jährige Mann, der jetzt in Jerusalem lebt, sprach mit der WELT über die Leipziger Zeit: Das Kaufhaus sei in Leipzig eine Institution gewesen, so Joske. Es war
„Gut und billig", hatte jede Menge Stammkunden und überstand auch die Zeit der Wirtschaftskrise. In den 1930er Jahren, so berichtet der Zeitzeuge, versammelten sich Nationalsozialisten und Kommunisten und lieferten sich große Kämpfe. Dabei wurden Pflastersteine herausgerissen und in die großen Schaufensterscheiben geworfen. Das Kaufhaus wurde im Jahre 1939 zwangsversteigert, eine Autowerkstatt eingerichtet und das Gebäude parzelliert.

Am 10.07.2008 wurde am Standort des einstigen Universalkaufhauses der Joskes das Projekt „Kaufhaus Joske" eröffnet. Zu den Gästen zählten die Historikerin Andrea Lorz und der Autor Thomas Pletzinger. Auf der Veranstaltung wurden auch Grußworte von Gideon Bar-Joseph vorgetragen, der mit den Leipzigern in Kontakt steht. Vier Künstler planten über ein Jahr die künstlerische Umgestaltung des Gebäudes des ehemaligen Kaufhauses „M. Joske & Co" in der Karl-Heine-Straße. Das Projekt gestaltet künstlerische „Vergangenheitsschichten" und macht Spuren der Geschichte des Hauses am Gebäude sichtbar. Die neue Fassade des Hauses greift die Architektur Wilhelm Hallers fragmentarisch und in abstrakter Form auf. Im umgestalteten Hof des Gebäudes finden Ausstellungen, Diskussionen und Gespräche stattfinden. Neben den freigelegten Spuren wurden am Gebäude neue „Erinnerungsschichten" angebracht, die Künstler eigens in einem gleichnamigen Projekt angefertigt haben: Die Streifen wurden an der Fassade hinzugefügt sowie Plakate am Haus angebracht.

Literatur:

  • Kirchhof, Heike: Jüdisches Leben in Leipzig: Gestern - Heute – Morgen: Ein Literatur- und Bestandsverzeichnis der Rolf-Kralovitz-Bibliothek der ECS Stiftung Leipzig, Leipzig, 2006, 126.

  • Lorz, Andrea: Suchet der Stadt Bestes: Lebensbilder jüdischer Unternehmer aus Leipzig, Pro Leipzig, Leipzig, 1996, 90 – 109.

  • Riedel, Horst: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Pro Leipzig, Leipzig, 2005, 275.

  • Die Welt, 29.09.2009, S. 10.

  • Leipziger Volkszeitung, 09.07.2008, S. 10.

  • www.projekt-kaufhausjoske.de

 
 
 
 
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