Kaufhaus Brühl - Juden in Sachsen

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Kaufhaus Brühl

1908

Das Kaufhaus Brühl GmbH war ein Unternehmen der Firma Messow & Waldschmidt (Dresden). Es wurde 1906 bis 1908 nach den Plänen des Architekten Emil Franz Hänsel erbaut. Der Direktor des Stammhauses, Heinrich Hirschfeld, und der Geschäftsführer des Leipziger Kaufhauses, Otto Mühlstein, verlegten ihren Wohnsitz 1912 nach Leipzig.

Das Kaufhaus wurde am 03.10.1908 mit einer Verkaufsfläche von 8.000 Quadratmetern eröffnet. In den zwanziger Jahren erlebte das Geschäft der traditionsreichen Handelsfirma Messow & Waldschmidt starken Zulauf und wurde um die Nachbarbauten Brühl 3 und 5 erweitert. 1927 bis 1928 verdoppelte sich durch den Umbau die Verkaufsfläche. Hier gab es seit 1927 auch die erste Rolltreppe Leipzigs. 1933 boykottierten die Nazis das jüdische Geschäft, 1936 wurde es zum Kaufhaus Knoop arisiert. Schwere Beschädigungen der Fassaden entstanden infolge der Bombennacht von 1943 und ebenso durch die Blechverhüllung des „Konsument-Warenhauses am Brühl“ 1968. 1965 bis 1968 erhielt das Kaufhaus durch Neu- und Umbauten die charakteristische Aluminiumvorhangfassade, die dem Kaufhaus den Spitznamen „Blechbüchse“ bescherte. 2001 ging das Kaufhaus zunächst an die Karstadt AG über.

Im Jahr 2008 beschloss die Leipziger Stadtverwaltung den Abriss des Gebäudes samt der mehr als 100 Jahre alten Fassade. DSU und Grüne machten sich seitdem für den Erhalt des Hauses und die Freilegung der Fassade stark. Sie soll in einem 15-Meter-Abschnitt erhalten bleiben. Jens Rometsch berichtete in der Leipziger Volkszeitung über die Diskussion zum umstrittenen Abriss. Der Artikel enthält ein Foto des Titelblatts der Sonderausgabe der Leipziger Abendzeitung, die aus Anlass der Eröffnung des Kaufhauses Brühl am 03.10.1908 erschienen war. In der aktuellen Debatte gab der Berliner Architekturhistoriker Robert Habel zu bedenken, dass es in Deutschland nur noch 20 Warenhausbauten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gebe. Signifikant hierfür seien die „markanten Kolossalpfeiler“, die „in der Tradition des revolutionären Warenhauses Wertheim“ stünden, das am Leipziger Platz in Berlin gelegen ist.

2012 wurden unter Nutzung der alten „Blechbüchsen-Fassade“ die Höfe am Brühl eröffnet.

Literatur:

  • Lorz, Andrea: Existenzvernichtung und „Arisierung“ im Einzelhandel und im Gesundheitswesen, in: Gibas, Monika: Arisierung in Leipzig, Universitätsverlag, Leipzig, 2007, 53 - 57.

  • Riedel, Horst: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Pro Leipzig, Leipzig, 2005, 287.

  • Rometsch, Jens: Abschied vom Kaufhaus Brühl. Abriss hat gestern begonnen. Grüne und DSU bedauern Verlust historischer Fassade, in: Leipziger Volkszeitung, 23.03.2010, S. 17.

 
 
 
 
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