Jüdische Geschichte - Juden in Sachsen

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Jüdische Geschichte

Seit nunmehr fast 800 Jahren ist die Anwesenheit von Juden in Leipzig schriftlich belegt.

Die erste jüdische Gemeinde Leipzigs bestand zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Sie blieb weitestgehend von Pogromen verschont und ihren Mitgliedern wurde mehrfach von landesherrlicher Seite die juristische Gleichstellung mit Christen bestätigt.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts erlosch die Gemeinde jedoch. Juden waren von dieser Zeit an bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts nur als Messegäste in der Stadt. 1710 wurde Juden erstmals wieder die Ansiedlung in Leipzig gestattet. Das ständige Anwachsen der Zahl der in Leipzig lebenden Juden führte in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Gründung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. An der Wiege der Gemeinde stand der berühmte Reformer des Judentums und später erste Direktor des Breslauer Jüdisch-Theologischen Seminars, Zacharias Frankel. Einflussreiche zugewanderte Rauchwarenhändler wie John Berend und Leopold Oppenheimer setzten sich für den Bau der großen liberalen Synagoe in der Gottschedstraße ein.

Mitte der 1920er Jahre lebten mehr als 12.000 Juden in Leipzig. Sie bildeten die sechstgrößte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich. Während des „Dritten Reiches“ mussten alle Juden Leipzig verlassen. Vielen gelang es sich ins Ausland zu retten, die meisten wurden jedoch deportiert und kamen in den Konzentrationslagern um.

Bis in die 1930er Jahr gab es in Leipzig ein vielfältiges jüdisches Leben. Die Rauchwarenwirtschaft, das Messewesen und die Verlagsindustrie Leipzigs profitierten von der Kultur und Bildung jüdischer Händler und Unternehmer wie Chaim Eitingon und Max Ariowitsch, der Familie Hinrichsen (Musikverlag C. F. Peters), Gustav Kirstein (Kunst-Verlags von E. A. Seemann) und den Krochs. Leipziger Stadtteile wie das Waldstraßenviertel und die östliche Nordvorstadt waren Anziehungspunkt und Wohnort vieler Leipziger Juden, aber sie waren zugleich auch Orte ihres Leiden während des Nationalsozialismus. Hier befanden sich die Judenhäuser, das Altenheim in der Auenstraße (heute Hinrichsenstraße und Ariowitsch-Haus) und die Carlebach-Schule, letzte Zufluchtsorte vieler Juden vor ihrer Deportation in den Tod.

Die liberalen und wohlhabenderen Juden bezogen mit Vorliebe im Waldstraßenviertel Quartier. Die seit Ende des 19. Jahrhunderts zugewanderten und zunächst überwiegend armen Juden und Kleinhändler aus dem Osten bevorzugten die Nordvorstadt, die allmählich jedoch zum Zentrum eines reichen, orthodoxen Judentums mit eigenen Betstuben, Synagoge und der Carlebach-Schule wurde. Auf dem Leipziger Brühl hatten die jüdischen Rauchwarenhändler ihre Geschäfte. Die Krochsiedlung in Gohlis, erbaut in den zwanziger Jahren, war ein bis dato einzigartiges Wohnungsbauprojekt. Noch heute bezeugt das Krochhochhaus am Augustusplatz die einstige Bedeutung des Bankhauses Kroch, das neben dem Bankhaus H. C. Plaut in der Leipziger Thomasgasse vielleicht am bekanntesten ist. Die ersten großen Warenhäuser der Stadt Leipzig hatten jüdische Besitzer und Gründer. Dazu zählen der Vorgänger der Blechbüchse - das Kaufhaus Brühl, das Damen- und Kinderkaufhaus der Gebrüder Hirschfeld in der Petersstraße 42, das Kaufhaus Bamberger & Hertz - der Königsbau, errichtet 1911 am Augustusplatz, und das Kaufhaus „M. Joske & Co“ in der Karl-Heine-Straße.

Seit Frühjahr 2007 sammelt und systematisiert „Juden in Sachsen“ die Spuren berühmter und weniger berühmter Leipziger Juden. Die Leser des Webportals können sich systematisch und in Form unserer hier präsentierten Zeittafeln und Datenbanken über die jüdische Geschichte der Stadt Leipzig informieren. Die Zeittafeln geben einen ersten chronologischen Überblick, eingebettet in die jüdische und sächsische Geschichte. Die Datenbanken Personen & Biografien sowie Historische Orte bieten die Möglichkeit, alphabetisch nach bestimmten Personen oder Orten zu suchen. Im Sommer 2007 ist als Arbeitsmittel unser digitaler Stadtrundgang „Das jüdische Leipzig -  Ein kleiner Stadtführer“ entstanden, der mit unserem Wissensstand heute noch um vieles bereichert und um ein weniges verändert werden könnte. Er kann als PDF-Dokument gelesen und heruntergeladen werden.

 
 
 
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