Israelitisches Krankenhaus - Juden in Sachsen

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Eitingon-Krankenhaus

1928 - 1939

Das nach dem Pelzhändler und Stifter Chaim Eitingon benannte Israelitische Krankenhaus war vor dem Zweiten Weltkrieg eine der wichtigsten und bekanntesten Wohlfahrtseinrichtungen der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Seit dem 14. August 1992 heißt das Krankenhaus offiziell Eitingon-Krankenhaus.

Chaim Eitingon wurde am 11. Dezember 1857 als Sohn einer jüdischen Familie in der russischen Stadt Shklov geboren.

1882 gründete Eitingon in Moskau die Rauchwaren-Handlung Chaim Eitingon und einige Jahre später, 1893, eine weitere Niederlassung in Leipzig mit Sitz am Brühl 37-39, die 1896 in das Handelsregister der Stadt eingetragen wurde. 1903 kehrte Eitingon in sein Moskauer Stammhaus zurück.  Da dieses jedoch 1914 wegen seiner deutschen Geschäftsbeziehungen liquidiert wurde, emigrierte Eitingon 1917 nach Leipzig, wo er 1922 auf eigene Kosten die Chaim-Synagoge errichten ließ.

Im Jahr 1925 wandelte Eitingon sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und begründete drei Jahre später zusammen mit seinem Neffen Matvej Isakovich (*1883-1956) die Israelitische Krankenhaus-Eitingon-Stiftung. Noch im gleichen Jahr, 1928, wurde das Eitingon-Krankenhaus im Waldstraßenviertel eröffnet und die zum Krankenhaus führende Straße in Eitingonstraße  benannt. Seit dem 14. August 1992 heißt das Krankenhaus offiziell Eitingon-Krankenhaus.

Am 17. Mai 1928 wurde das Krankenhaus eingeweiht. Es ersetzte das seit 1919 bestehende, provisorische und nur mit 25 Betten ausgestattete Krankenhaus in der König-Johann-Straße (jetzt Tschaikowskistraße). Eine Gemeindestiftung zur Errichtung eines neuen modernen Krankenhauses gab es schon seit 1918, aber erst die großzügige Spende Eitingons ermöglichte 1928 den zügigen Bau des Krankenhauses.

Das Gebäude wurde von dem Architekten Gustav Pflaume gebaut. Wurde das Gebäude von den Leipziger Eitingons gestiftet, so finanzierten Motty und Fanny Eitingon aus New York die Innenausstattung. Obwohl man das Krankenhaus den jüdischen religiösen Riten entsprechend führte, waren Patienten aller Konfessionen willkommen. Das Krankenhaus leiteten die bekannten Ärzte Dr. Ludwig Frankenthal (Chirurgie), Dr. Pascal Deuel (Inneres), nach seinem Tod Dr. Martin Nothmann. Letzter Chefarzt war Otto Michael, der 1943 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet wurde. Dr. Martin Nothmann verhafteten die Nationalsozialisten in der Pogromnacht. Er wurde nach Buchenwald verschleppt und verließ wenig später Deutschland.

Im Dezember 1939 mussten die 29 Patienten und alle Ärzte das Krankenhaus innerhalb von nur vier Stunden räumen und nach Dösen umziehen. Das Eigentum des Krankenhauses wurde in Gänze beschlagnahmt. Mit Mühe gelang es, die erforderlichen Umbauten im Krankenhaus Dösen auf eigene Kosten durchzuführen. Im September 1941 wurde die Eitingonstiftung aufgelöst und der Abteilung in Dösen jegliche Finanzierungsgrundlage entzogen, im April 1942 hatte sich die Abteilung in die Reichservereinigung der Juden einzugliedern. Nach der Verhaftung des Arztes Dr. Otto Michael wurde das Krankenhaus im Verlaufe des Jahres 1943 liquidiert.

Literatur:

  • Lange, Bernd-Lutz: Jüdische Spuren in Leipzig, Forum Verlag Leipzig, Leipzig, 1993, 61 - 63.

  • Lorz, Andrea: Existenzvernichtung und „Arisierung“ im Einzelhandel und im Gesundheitswesen, in: Gibas, Monika: Arisierung in Leipzig, Universitätsverlag, Leipzig, 2007, 62 - 66.

 
 
 
 
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