Israelitischer Schulverein - Juden in Sachsen

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Israelitischer Schulverein e. V.

1914 - 1939

Der Israelitische Schulverein e. V. wurde am 24. Juni 1914 als Verein „zur Förderung der Israelitischen Schule zu Leipzig in materieller und ideeller Hinsicht“ in das Leipziger Vereinsregister eingetragen. Er unterstützte das von Ephraim Carlebach 1912 begründete Israelitische Schulwerk zu Leipzig.

Das Wirken Carlebachs symbolisierte gravierende Veränderungen im Leben der Israelitischen Gemeinde zu Leipzig.  Um die Jahrhundertwende hatten sich erfolgreiche ostjüdische und orthodox orientierte Geschäftsleute wie der Bankier Hans Kroch und der Rauchwarenhändler Eitingon im gesellschaftlichen Leben der Stadt Leipzig etabliert. Sie stützten den 1901 entstandenen orthodoxen Talmud-Thora-Verein (zugehörig zur Brodyer oder Talmud-Thora-Synagoge in der Keilstraße). Der Verein wurde neben der bislang dominierenden liberalen Gemeinde Anlaufpunkt für die orthodoxen ostjüdischen Zuwanderer, die sich zumeist in der südlichen Nordvorstadt Leipzigs ansiedelten.

1912 war es Ephraim Carlebach und den einflußreichen Vertretern des Talmud-Thora-Vereins gelungen, ein dem orthodoxen Gedanken vom „jüdischen Schulwesen“ verpflichtetes Schulwerk zu schaffen und zehn Jahre später ein orthodoxes Rabbinat neben und in der Leipziger jüdischen Gemeinde zu errichten. Carlebachs Beitrag bestand, außer seiner glänzenden und aufgrund seiner humanistischen und schöngeistigen Ausbildung überzeugenden Tätigkeit als Prediger in der Talmud-Thora-Synagoge, zuallererst in seiner Lehrtätigkeit und der Begründung des jüdischen Schulwerks in Leipzig.

1912 rief er die Höhere Israelitische Schule in der Gustav-Adolf-Straße 7 ins Leben. Zur Unterstützung der Höheren Israelitischen Schule wurde 1914 die Aufnahme des Israelitischen Schulvereins ins Vereinsregister vollzogen. Der Verein hatte zuvor bereits zehn Jahre die vereinseigene Religionsschule finanziert.

Den Vorstand des Vereins bildete die orthodoxe jüdische Elite: die Unternehmer Eitingon, Hodes, Kroch, Schick, der Rabbiner Dr. Ochs, Gustav Cohn und natürlich Dr. Carlebach, Politiker der Jüdischen Volkspartei wie Dr. Tumpowski (Hilfsverein Israelitischer Gewerbetreibender) und Blumberg, der spätere Chefarzt des Eitingonkrankenhauses Dr. med. Pascal Deuel, um nur einige zu nennen. Zur Gründung zählte der Verein etwa 100 Mitglieder. Die Verwaltung und Finanzierung der Schule lag aber weitestgehend in den Händen der Familie Carlebach, die auch der Konzessionsträger blieb.

Nach dem erzwungenen Ausscheiden des Schulgründers Ephraim Carlebach 1934 übernahm der Israelitische Schulverein e. V. 1936 nach langen Verhandlungen die Trägerschaft, gemeinsam mit der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Der Israelitische Schulverein musste 1939 aufgelöst werden. Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland übernahm die Trägerschaft der Schule. Die Gestapo zwang Samuel Hodes, den Stellv. Vorsitzenden des Vereins, ihn aus dem Vereinsregister löschen zu lassen.

Literatur:

  • Diamant, Adolf: Chronik der Juden in Leipzig, Heimatland Sachsen, Chemnitz, Leipzig, 1993, 460ff.

  • Höppner, Solvejg; Jahn, Manfred: Jüdische Vereine und Organisationen in Chemnitz, Dresden und Leipzig 1918 bis 1933: Ein Überblick, Sächsisches Druck- und Verlagshaus, Dresden, 1997.

  • Kowalzik, Barbara: Das jüdische Schulwerk in Leipzig 1912 – 1933, Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien, 2002, 122 – 124.

  • Kowalzik, Barbara: Lehrerbuch:Die Lehrer und Lehrerinnen des Leipziger jüdischen Schulwerks 1912 – 1942, vorgestellt in Biogrammen, Herausgeber: Stadt Leipzig, Der Oberbürgermeister, Stadtarchiv, Leipziger Universitätsverlag, Leipzig, 2006, 21.

 
 
 
 
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