Israelitischer Kindergarten Tagesheim - Juden in Sachsen

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Israelitischer Kindergarten Tagesheim e. V.

1915 - 1939

1915 wurde aus Privatmitteln ein Kindergarten in der Annenstraße eingerichtet. Zur feierlichen Einweihung der neuen Tagesstätte waren die Rabbiner Dr. Porges und Dr. Carlebach anwesend sowie der Bürgermeister Dr. Weber. 1916 zog der Kindergarten in die Auenstraße. 1930 konnte dann mit Spenden ein Grundstück in der Leibnizstraße 30 erworben und noch im selben Jahr der Kindergarten dort neu eröffnet werden.

Den Kindergartenverein leitete lange Jahre Martina Brenner, eine der sozial engagiertesten Frauen der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Sie leitete u. a. die Arbeitsgemeinschaft für den jüdischen Mittelstand und stand an der Spitze des Jüdischen Frauenbundes - Ortsgruppe Leipzig.

Im Zeitraum 1915 bis 1930 wurden zwischen 30 und 87 Kinder betreut. Waren anfangs etwa 750 zahlende Mitglieder verzeichnet, so reduzierte sich diese Zahl aufgrund der Inflation auf 220. Die Arbeit des Vereins wurde auch dadurch behindert, dass zwar die Kinderzahl wuchs, sich die meisten Hauswirte aber weigerten, einem jüdischen Kindergarten Räume zur Verfügung zu stellen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb der Kindergarten dennoch bis Januar 1940 erhalten, wenn auch keinesfalls problemlos. Dem eingetragenen Verein mit Jugendleiterin und ausgebildeten Kindergärtnerinnen wurde durch die Stadt Leipzig nach Einzug der Nazis in die Stadtverwaltung 1933 die Subventionen entzogen.

Die Auswanderung vieler Juden verursachte wie in allen jüdischen Wohlfahrtsvereinen so auch im Israelitischen Kindergarten einen Mangel an Fachpersonal. Noch gravierender waren die Repressionen des Regimes. Das NSDAP-Kreispropagandaamt ordnete eine Überwachung des Kindergartens an, um nichtjüdische Kinder fernzuhalten und verlangte eine entsprechende Satzungsänderung. Der Trägerverein des Israelitischen Kindergartens musste 1939 aufgelöst werden.

Literatur:

  • Diamant, Adolf: Chronik der Juden in Leipzig, Heimatland Sachsen, Chemnitz, Leipzig, 1993, 290.

  • Ephraim-Carlebach-Stiftung Leipzig [Hrsg.], Judaica Lipsiensia: Zur Geschichte der Juden in Leipzig, Edition Leipzig, Leipzig, 1994, 137f.

  • Höppner, Solvejg; Jahn, Manfred: Jüdische Vereine und Organisationen in Chemnitz, Dresden und Leipzig 1918 bis 1933: Ein Überblick, Sächsisches Druck- und Verlagshaus, Dresden, 1997, 26, 40.


 
 
 
 
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