Gedenktafel zur Polenaktion - Juden in Sachsen

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Gedenktafel zur „Polenaktion“ von 1938

Durch einen Erlass der polnischen Regierung vom 06. Oktober 1938 verloren die Pässe der polnischen Juden ihre Gültigkeit. Daraufhin wurden rund 17.000 Juden vom Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei ausgewiesen (Aufenthaltsverbot) und sofort abgeschoben. Am 26.10.1938 ordnete Heydrich an, dass alle Juden mit polnischer Staatsbürgerschaft Deutschland bis zum 29.10.1938  zu verlassen hätten.

Diese Anordnung wurde mittels Deportationen durchgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt lebten in Leipzig 3.300 polnische Juden. 1.567 polnische Juden wurden sofort abgeschoben. 1.300 Menschen rettete der polnische Generalkonsul Felics Chiczewski mit Sitz in der Villa Ury vor der Deportation. Er stellte das Grundstück des Generalkonsulats als Flucht- und Anlaufstelle zur Verfügung und verhinderte das Eindringen deutscher Polizisten.

Die Israelitische Gemeinde und die Kaufhäuser Held und Ury sicherten die Unterbringung auf dem Gelände der Villa Ury logistisch ab. Die Gemeinde leistete den abgeschobenen jüdischen Leipzigern Beistand. David Ochs und Gustav Cohn initiierten eine Hilfsaktion, bei der über das Bankhaus Kroch 10.000 Reichsmark in Fünfmarkstücken (zehn Reichsmark pro Person dürften mitgeführt werden) an die Abgeschobenen verteilt wurden. Auf Betreiben des Generalkonsuls  wurden die Pässe der Betroffenen vorerst verlängert. Im Gegenzug mussten sich die polnischen Juden verpflichten, ihre zügige Auswanderung zu organisieren, sich beim Ausländeramt registrieren lassen und unter ständiger Kontrolle ihre Auswanderung vorbereiten.

Literatur:

  • Bund der Antifaschisten e.V.; Stadtverband Leipzig der Verfolgten des Naziregimes [Hrsg.]: Stätten des Gedenkens für Verfolgte und Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und für antifaschistische Widerstandskämpfer in und um Leipzig, GNN Verlag Schkeuditz, Schkeuditz, 2006, 134ff.

  • Kabus, Sylvia: Wir waren die Letzten... : Gespräche mit vertriebenen Leipziger Juden, Sax-Verlag, Leipzig, 2003, 123.

 
 
 
 
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