Firma Rudolf Schick und Co - Juden in Sachsen

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Firma Rudolf Schick und Co.

- 1938

Rudolf Schick wurde am 3.1.1882 als ältestes Kind von Gottlieb und Bertha Schick, geborene Goldmann, in Karlsbad geboren. Er hatte noch drei weitere Brüder und eine Schwester, die alle bereits in Leipzig zur Welt kamen. Die Familie hatte sich laut Meldebuch am 3.11.1882 - von Karlsbad kommend - in Leipzig angesiedelt. Rudolf Schick unterhielt eine Verlagsbuchhandlung in der Zentralstraße 7/9. Bei den Verlagserzeugnissen handelte es sich zum großen Teil um Landkarten, Schulmaterial und Zeitschriften mit geographischer Ausrichtung. Er war Vorstandsmitglied des Reichsverbandes Deutscher Zeitschriftenverleger und des Vereins Deutscher Lehrmittelverleger.

In den Akten des Börsenvereins Deutscher Buchhändler findet sich ein Vermerk über einen Besuch Rudolf Schicks. Schick war am 15.2.1935 gemeinsam mit Herrn Sabatzky, dem Syndikus des Zentralverbandes der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, erschienen. In dieser Besprechung ging es um die Berechtigung des „Ariergrundsatzes“. Der „Ariergrundsatz“ sah vor, dass nur „Arier“ eine kulturvermittelnde Tätigkeit ausüben durften. Herr Sabatzky erklärte, dass die Firma Rudolf Schick vor allem Schulwandbilder und Zeitschriften verlege. Auch sei das Hauptabsatzgebiet der Verlagsbuchhandlung Südamerika. Hinzu käme, dass Herr Schick bald 60 Jahre alt sei und keine Erben habe. (Die am 25.5.1908 geborene Tochter, Eva Schick, war bereits 1933 über Prag nach Boston emigriert.)

Rudolf Schick konnte seinen Verlag noch bis 1938 fortführen. In der Liste der im Reichsgebiet zugelassenen jüdischen Buchverlage und Buchvertriebe wird als letzte Geschäftsadresse die Funkenburgstraße 17 angegeben. Dieses zu den „Judenhäusern“ gehörende Gebäude war auch die letzte Wohnadresse der Familie, nachdem sie ihre Wohnung in der Ferdinand-Rhode-Straße 28 verlassen musste.

Rudolf Schick kam 1938 in das KZ Buchenwald, wurde kurze Zeit später freigelassen und emigrierte sofort mit seiner Frau nach Toronto/Kanada. Eine Auskunftsanfrage an das Hauptmeldeamt beim Polizeipräsidium Leipzig durch das Amtsgerichtes Leipzig wird im Mai 1939 mit nach Kanada verzogen beantwortet. Die Firma wurde am 27.10.1939 als von Amts wegen gelöscht in das Handelsregister eingetragen.

In Kanada nahm Rudolf Schick seine Tätigkeit als Verleger wieder auf. Seine Tochter Eva, verheiratete Disharoon, leitete mit ihrem Ehemann von 1956 bis 1973 den von ihrem Vater ererbten naturwissenschaftlichen Verlag. Sie starb 1984 in Pepperell, Mass.

Rudolf Schick war aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde in Leipzig. In einem Briefwechsel mit dem Verleger des C.F. Peters Verlages in Leipzig, Henri Hinrichsen, ist zu lesen: Der Leipziger Maler, Eduard Einschlag hat jetzt ein Gemälde des alten Leipziger Jüdischen Friedhofs im Johannisthal geschaffen. Es besteht nun die Absicht, dieses Bild der Religionsgemeinde als Schmuck ihres Sitzungssaales zu überreichen. ... Ich bitte ergebenst, die Durchführung dieses Planes frdl. unterstützen zu wollen, indem Sie einen Beitrag für die Anschaffung des Gemäldes zur Verfügung stellen. ... Ich habe mich an eine kleine Anzahl hiesiger Kunstfreunde unserer Gemeinde gewendet und hoffe zuversichtlich, dass meine Anregung eine wohlwollende Aufnahme findet. Leider fiel die Antwort Henri Hinrichsens nicht positiv aus: Wenn ich Ihrem Wunsche, mich mit einem Beitrag an der Erwerbung ... für die Israelitische Religionsgemeinde zu beteiligen, nicht entsprechen kann, so liegt der Grund darin, dass das Oelbild, welches genannter Maler von mir im vorigen Jahre gemalt hat, trotz zahlreicher Sitzungen wenig glücklich ausgefallen ist ...

Literatur:

  • Sächsisches Staatsarchiv Leipzig

- Börsenverein I, 706
- Amtsgericht Leipzig, HRA 2567.

  • Wiemers, Gerald: Verfolgung und Vertreibung 1933-1935. Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung der Philosophischen Fakultät und ihre jüdischen Wissenschaftler; in: Wendehorst, Stephan [Hrsg.]: Bausteine einer jüdischen Geschichte der Universität Leipzig. Leipziger Beiträge zur Jüdischen Geschichte und Kultur, Band IV, Herausgegeben im Auftrag des Simon-Dubnow-Instituts für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig, Leipziger Universitätsverlag, 2006.


Petra Dehmel

 
 
 
 
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