Firma Jakob Hegner Verlag - Juden in Sachsen

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Firma Jakob Hegner Verlag

1913 - 1949

Jakob Hegner erwarb sich durch seine hervorragende typographische Arbeit den Titel „Erster Drucker Deutschlands“. Hegner wurde am 25.2.1882 in Wien geboren. 1899 begann er ein Studium der Philosophie an der Leipziger Universität und war gleichzeitig in der Buchabteilung des Verlages Hermann Seemann Nachf. tätig. Außerdem gab er gemeinsam mit seinem Freund René Schickele in Berlin das Magazin für Literatur heraus.

1913 richtete er in der Dresdner Künstlerkolonie Hellerau eine eigene Buchdruckerwerkstatt ein, aus der dann sein eigener Verlag hervorging. Der Jakob Hegner Verlag gab Werke der Schönen Literatur, Philosophie, Theologie und Geschichte heraus. Bekannt wurde der Verlag aber für die vorbildlich gestalteten Bucheinbände und die hervorragende Typographie. Hegners Buchstil kam ganz ohne alle Illustrationen aus und bezog seine Wirkung allein aus der Qualität des Materials und der gelungenen Gestaltung.

Während des Ersten Weltkriegs kehrte Hegner nach Wien zurück und war dort Mitglied der Redaktionellen Gruppe des Kriegspressequartiers. In den Jahren 1917/18 gab er in Wien die Zeitschrift Summa heraus. Anfang der 1930er Jahre konnte Hegner innerhalb der großen Druckerei Oscar Brandstetter seine Druckwerkstatt neu errichten (Inselstraße 10/11). Er betrieb den Verlag noch bis Ende 1935 und schied schließlich aus dem Verlag aus. Er verkaufte die Firma samt Firmennamen an Oscar Brandstetter und übersiedelte nach Wien.

Der Geschäftsführer des Börsenvereins Hess gibt auf eine Anfrage der Wehrkreisbücherei des I. Armeekorps im Jahr 1939 dazu folgende Auskunft:

Jakob Hegner ist Jude, katholischer Konfession und 1882 in Wien geboren. Bis zum Jahre 1931 betrieb er die Firma Jakob Hegner, Verlag und Buchdruckerei in Rähnitz-Hellerau. Infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Jahre 1931 wurde die Druckerei an Oscar Brandstetter, Leipzig, verkauft. ... 1935 schied Hegner aus der Firma aus, weil er als Nichtarier nicht Mitglied der Reichsschrifttumskammer, Gruppe Buchhandel, werden konnte und gründete in Wien die Firma Thomas-Verlag Jakob Hegner. Diese Firma besteht nicht mehr. ...

Grund für das „Nichtbestehen“ des Wiener Verlags war der Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich und die nachfolgende Verhaftung Hegners. Es gelang ihm aber, der Haft zu „entweichen“, mit Frau und Kindern Wien zu verlassen und nach London in die Emigration zu gehen. Noch im November 1936 hatte Hegner die Konzession für die Errichtung des Thomas-Verlags Jakob Hegner in Wien erhalten und den Verlag ins Handelsregister eintragen lassen. Außerdem war er Mitglied des Vereins der österreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhändler.

Eine Mitteilung der Reichsschrifttumskammer vom Mai 1937 stempelte den Verlag als „Jüdische Buchhandlung des Auslandes“ ab. Allerdings wurde Hegner im Januar 1938 aufgrund der damaligen komplizierten kulturpolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich nochmals in den Börsenverein aufgenommen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs und der Flucht Hegners nach England erfolgte die Zwangsverwaltung und Liquidation des Wiener Verlages.

In den Akten des Börsenvereins findet sich für den 3.4.1939 der Eintrag: Verlag in Wien besteht nicht mehr; Verlagswerke an Brandstetter übergegangen. Der Leipziger Verlag existierte noch bis 1949. Bis 1947 war er Bestandteil der Oscar-Brandstetter-Firmengruppe und ging, nachdem Brandstetter sich nach der Westzone begeben und dort (seinen) Wohnsitz genommen hatte, 1948 in Volkseigentum über. Schließlich wurde er im Dezember 1949 beim Amtsgericht Leipzig mit dem Vermerk Firma erloschen eingetragen.

Hegner gründete 1946 in der Schweiz den Summa-Verlag und errichtete schließlich mit Unterstützung des Druck- und Verlagshauses J. P. Bachem Köln, im Februar 1950 denn Jakob Hegner Verlag neu. Die seit 1946 in München bestehende Firma Verlag Jakob Hegner GmbH wurde in Verlag Heinrich Wild GmbH umgewandelt. Dr. Heinrich Wild hatte das Werk Hegners fortgesetzt und den Verlag nach Kriegsende in die Westzone „überführt“. Am 24.9.1962 - wenige Tage nach seiner Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse - verstarb Jakob Hegner im Alter von 80 Jahren in Lugano.

Literatur:

  • Die Zeit, 05.10.1962 Nr. 40.

  • Sächsisches Staatsarchiv Leipzig

- Börsenverein I, F 3738
- Börsenverein I, F 12015.

Petra Dehmel

 
 
 
 
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