Deutschland 1933 - 1945 - Juden in Sachsen

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Zeittafel zur Vernichtung der Juden in Deutschland 1933 - 1945

1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945

1933

30. Januar
Machtübernahme durch die NSDAP. Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt, Antisemitismus durch Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung wird zur Staatsdoktrin

Ab Ende Februar
Nach der Reichtstagsbrandprovokation der Nazis Terror gegen Antifaschisten, vor allem Kommunisten als den entschiedensten Nazi-Gegnern und systematische Verfolgung der Juden

20. März
Errichtung des ersten deutschen Konzentrationslagers (KZ) in der Nähe von Dachau, erste Insassen: Kommunisten und Juden

29. März
11-Punkte-Programm zum Boykott jüdischer Geschäfte

30. März
Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft Albert Einsteins

31. März
„Arisierung" der Leitung der Karstadt-Kaufhäuser

1. und 2. April
Erneuter Aufruf zum Boykott „nichtarischer" Geschäfte durch SA und SS, Entlassung namhafter Wissenschaftler und Künstler; erste Welle der Vertreibung; Ringen und jüdische Selbstbehauptung beginnt

5. April
Aus einem Brief Einsteins an die Preußische Akademie der Wissenschaften: „Ich erkläre ... den Zustand im jetzigen Deutschland als einen Zustand psychischer Erkrankung der Massen ..., dass diese in Deutschland in so fruchtbarer Weise sich äußernde Massen-Psychose nicht weiter um sich greift."

7. April
Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums РGesetzes. Auszug: 㤠3 (1) Beamte, die nichtarischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand ... zu versetzen ..."

17. April
Zulassungsstopp der Rechtsanwaltschaft für „Nichtarier"

22. April
Entlassung der Juden aus den Krankenkassen und Patentanwaltschaften

25. April
Numerus clausus für jüdische Schüler und Studenten - Beschränkungen für jüdische Studenten an Universitäten und Hochschulen

4. Mai
Entlassung aller Arbeiter und Angestellter „nicht arischer Herkunft" aus dem öffentlichen Dienst

5. Mai
Trauungsverbot von Angehörigen verschiedener „Rassen" durch die Thüringische Landeskirche

17. Juni
Genehmigung zur Gründung des Kulturbundes deutscher Juden erteilt, mit dem Ziel zur Förderung der Auswanderung. Zahl der Juden in Deutschland: 499.000 (0,76 % der Gesamtbevölkerung)

5. September
„Arier"-Paragraph im Beamtengesetz der evangelischen Altpreußischen Union: „§ 1 (2) Wer nichtarischer Abstammung oder mit Personen nichtarischer Abstammung verheiratet ist, darf nicht als Geistlicher oder Beamter der allgemeinen kirchlichen Verwaltung berufen werden."

17. September
Gründung der Reichsvertretung der deutschen Juden

10. Dezember
28 Thesen der Sächsischen Evangelisch-Lutherischen Landeskirche: „5. Weil die deutsche Volkskirche die Rasse als Schöpfung Gottes achtet, erkennt sie die Forderung, die Rasse rein und gesund zu erhalten, als Gottes Gebot. Sie empfindet die Ehe zwischen Angehörigen verschiedener Rassen als Verstoß gegen Gottes Willen ..."

Etwa 37.000 Juden verließen 1933 Deutschland; 72 bis 74 % gingen in andere europäischen Staaten, 19% nach Palästina, 7 bis 9% nach Übersee.

1933/34
In der „Zelle Zentrum" aktiver Widerstandskampf von jüdischen KJVD-Angehörigen mit Erica Gottschalk und Alfred Gerst bis zur Verhaftung der Gruppe

1933 bis 1935
Örtliche Maßnahmen gegen „nichtarische" Ärzte, Anwälte und andere Berufsleute

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1934

4. Februar
Gastspiel des Kulturbundes Deutscher Juden Berlin in einer Matinee im Leipziger Schauspielhaus mit Gottfried Ephraim Lessings „Nathan der Weise"

5. Februar
Verbot der Staatsprüfung für „nichtarische" Medizinstudenten

Mai
Ritualmord-Sondernummer des „Stürmer" mit der Schlagzeile „Jüdischer Mordplan gegen die nichtjüdische Menschheit aufgedeckt"

10. Mai
Erste Arbeitstagung der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung in Berlin

7. Juni
Zwangsverkauf des Ullstein-Verlages

26. Juli
Einstellungstopp für Juden als wissenschaftliche Assistenten

16. Oktober
Steuerrechts-Sonderregelungen für Juden

13. Dezember
„Arier-Nachweis" bei Habilitationen in Preußen

Die jüdische Auswanderung umfasste 1934 ca. 23.000 Personen; 37 % gingen nach Palästina, 35 bis 40 % in europäische Staaten, 23 bis 28 % nach Übersee.

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1935
Sperrung der Frei- und Hallenbäder, Verbot des Besuches kultureller Veranstaltungen, von Bibliotheken, Museen und öffentlichen Parkanlagen für Juden

17. März
Kanzelankündigung der Bekennenden Kirche (BK) der Altpreußischen Union gegen die Judenhetze; etwa 700 Pfarrer werden daraufhin drei Tage lang interniert

24. April
„Arier-Nachweis" im Zeitungs- und Verlagswesen

25. Juli
Wehrdienst nur noch für „Arier" (seit 21. Mai 1935 „Arier-Paragraph" für Offiziere)

18. August
Verbot der standesamtlichen Trauung zwischen „Arier" und „Nichtarier"

15. September
Verkündung des „Reichsbürgergesetzes" sowie des „Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" durch Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg (die sogenannten Nürnberger Gesetze).

[Auszug aus dem Reichsbürgergesetz: „§ 2 (1) Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, dass er gewillt und geeignet ist, in Treue dem Deutschen Reich zu dienen ..."]
[Auszug aus dem Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre: „§ 1 (1) Eheschließung zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen altverwandten Blutes sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Ausland geschlossen sind ... Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes ist verboten ..."]

Durch die Ausführungsverordnungen zu den „Nürnbergern Gesetzen" mit wichtigen Ergänzungen in Leipzig schätzungsweise 20.000 Menschen der Verfolgung aus rassistischen Gründen ausgesetzt. In der Folge Diffamierungen wegen „Rassenschande" mit zahlreichen Verhaftungen.

Entstehung einer „Mauer jüdischer Zusammenarbeit" gegen die Verfolgung.

24. September
Aufruf der Reichsvertretung der Juden in Deutschland in der Jüdischen Rundschau (Auszug): „... Im vollen Bewusstsein der Größe der Verantwortung und der Schwere der Aufgabe ruft die Reichsvertretung alle jüdische Männer und Frauen, die gesamte jüdische Jugend zur Einigkeit, zu jüdische Haltung, strenger Selbstschutz und größte Opferbereitschaft auf ..."

14. November
1. Durchführungsverordnung zum Reichsbürgergesetz (Auszüge):

„§ 4 (1) Ein Jude kann nicht Reichsbürger sein. Ihm steht ein Stimmrecht in politischen Angelegenheiten nicht zu, er kann ein öffentliches Amt nicht bekleiden ..."

„§ 5 (1) Jude ist, wer von mindestens drei der Rasse nach volljüdischen Großeltern abstammt ...

(2) Als Jude gilt auch der von zwei volljüdischen Großeltern abstammende Staatsangehörige jüdische Mischling (a) der beim Erlass des Gesetzes der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hat oder danach in sie aufgenommen wird ..."

13. Dezember
Reichsarztverordnung: keine neuen jüdischen Ärzte sind zugelassen

Dezember
Generelles Berufsverbot für jüdische Ärzte, Notare, Professoren und Lehrer im Staatsdienst

Etwa 21.000 deutsche Juden wanderten 1935 aus: 36 % nach Palästina, 33 bis 38 % nach Übersee und 26 bis 31 % in europäische Staaten

1935/36

Höhepunkt jüdischer Selbsterhaltung als Teil des antifaschistischen Widerstands, Ausbau von mehr als 70 Vereinen mit der Israelitischen Religionsgemeinde an der Spitze trotz scharfer Überwachung und Repressalien gegen Vorstände

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1936
Starker Anstieg der jüdischen Emigration

11. Januar
Berufsverbot für „nichtarische" Steuerberater

4. Februar
Ermordung des NS-Auslandsorganisations-Landesgruppenleiters Schweiz, Wilhelm Gustloff, in Davos durch den Studenten David Frankfurter

16. Juli
„Ariernachweis" für Bautechniker erforderlich

9. November
Abriss des Denkmals für Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig

20. November
Reichszuschusskürzung für jüdische Rentner

An den im gleichen Jahr in Berlin stattfindenden Olympischen Spielen ließ die NS-Regierung auch deutsche Sportler jüdischer Herkunft, z. B. die Fechterin Helene Meyer („Die blonde He"), teilnehmen. Dies sollte belegen, dass es in Deutschland keine antijüdische Propaganda gebe

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1937
25. Januar
Berufsverbot für „nichtarische" Viehhändler

5. Februar
Deutschen Juden wird der Jagdschein entzogen und die Jagdpachtung verboten

13. Februar
Reichsverordnung: nur Reichsbürger werden als Notare zugelassen

15. April
Verbot der Doktor-Prüfung für Juden

11. Juni
Berufsverbot für jüdische Sachverständige

4. Juli
Die Leitung der Wertheim-Kette wird „arisiert"

8. November
Eröffnung der antisemitischen Wanderausstellung „Der ewige Jude" in München

16. November
Reichsministerium des Inneren: Genehmigung von Reisepässen für Juden erfolgt nur im Ausnahmefall

Ungefähr 23.000 Juden konnten 1937 auswandern: 60 % nach Übersee, 10 % nach Palästina. 565 Urteile wegen „Rassenschande" wurden gefällt

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1938
Endgültige „Arisierung" jüdischer Firmen

5. Januar
„Nichtariern" wird die Namensänderung verboten

20. Januar
Berufsverbot für „nichtarische" Vermessungsingenieure

13. März
„Anschluss" Österreichs bringt österreichische Juden unter NSDAP Herrschaft: am 16. März wird den österreichischen Juden das Wahlrecht entzogen

16.März
Berufsverbot für „nichtarische" Waffenhändler

28. März
Die jüdischen Kulturgemeinden verlieren den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts

ab April
Etwa 1.600 Gewerbetreibende, darunter 577 Groß-handlungen, werden geschlossen bzw. der faschistischen Bourgeoisie in die Hände gespielt. Vor allem der „Brühl" als internationales Pelzhandelszentrum ist betroffen.

26. April
Anmeldepflicht für jüdisches Vermögen über 5.000 RM

17. Mai
Volkszählung: Erfassung von Juden und „Mischlingen"

6. Juni
1. Sitzung der Internationalen Flüchtlingskommission in Evian. Fazit: nur „geringere Möglichkeiten" für die Aufnahme jüdische Flüchtlinge in Ausland

20. Juni
„Nichtariern" wird der Besuch von Behörden untersagt

11. Juli
Aufenthaltsverbot gegen Juden in Kurorten

10. August
Zerstörung der Nürnberger Synagoge

17. August
2. Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (Auszug):

§ (1) Juden dürfen nur solche Vornamen beigelegt werden, die in den vom Reichsministerium des Inneren herausgegebenen Richtlinien über die Führung von Vornamen aufgeführt sind ...

§ 2 (1) Soweit Juden einen anderen Vornamen führen, müssen sie vom 1. Januar 1939 ab zusätzlich einen weiteren Vornamen, und zwar männliche Personen den Vornamen ISRAEL, weibliche Personen den Vornamen SARA ..."

18. August
Runderlass des Reichsministers des Innern betreffs „Vornamen" (Auszug): „(5) Juden, die deutsche Staatsangehörige sind, dürfen nur die in der Anlage aufgeführten Vornamen beigelegt werden; anderen deutsche Staatsangehörigen dürfen diese Vornamen nicht beigelegt werden ..."

20. August
Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien eröffnet (Leiter: Adolf Eichmann)

9. September
Vorlesungs-Teilnahmeverbot für Juden an "mso-spacerun: yes"> Hochschulen und Universitäten im Deutschen Reich

9. oder 10. September
Zerstörung der Münchner Synagoge

27. September
Berufsverbot für jüdische Rechtsanwälte

28. September
Berufsverbot für jüdische Krankenpfleger

5. Oktober
Juden müssen ihre Reisepässe abliefern, eine Neuausstellung (mit Aufdruck „J") erfolgt nur in Ausnahmefällen

27. und 29. Oktober
„Polenaktion". Im Oktober 1938 werden rund 17.000 Juden vom Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei ausgewiesen (Aufenthaltsverbot) und sofort abgeschoben. Zu diesem Zeitpunkt leben in Leipzig 3.300 polnische Juden. 1567 polnische Juden werden sofort abgeschoben. 1300 Menschen rettet der polnische Generalkonsul Felics Chiczewski mit Sitz in der Villa Ury vor der sofortigen Abschiebung. Im Gegenzug müssen sich die polnischen Juden verpflichten, ihre zügige Auswanderung zu organisieren, sich beim Ausländeramt registrieren lassen und unter ständiger Kontrolle ihre Auswanderung vorbereiten.

31. Oktober
Berufsverbot für jüdische Patentanwälte

7. November
Herschel Grynszpan schießt in Paris den Legationssekretär vom Rath nieder, dieser verstirbt zwei Tage später. Sein Tod dient als Vorwand für die „Reichskristallnacht".

9./10. November
Vorbereitender faschistischer Pogrom: „Reichskristallnacht". Allein im Zentrum Leipzigs wurden das Folgende zerstört: die Gemeindesynagoge, die Ez-Chaim-Synagoge Otto-Schill-Strasse und fünf weitere Synagogen; 200 jüdische Geschäfte, zahlreiche Wohnungen und Vereinslokale, Hauptstoß gegen jüdische Gemeinschaftseinrichtungen, Schließungen aller Synagogen und Verbot der Vereine, offene Terror gegen jüdischen Menschen, Verhaftung von etwa 100 nichtjüdische Einwohnern wegen Äußerungen ihrer Solidarität

10. bis 13. November
Verhaftungen von 534 Personen in Leipzig wegen der „Judenaktion" und ihre Überführung nach Buchenwald und in andere KZs

11. November
Waffenbesitz wird Juden verboten

12. November
„Verordnung über die Sühneleistung der Juden deutscher Staatsangehörigkeit"; Juden deutscher Staatsangehörigkeit müssten eine Milliarde Reichsmark Kontribution an den faschistischen Staat zahlen, von Juden in Leipzig sind mehrere Millionen Mark aufzubringen

Verbot des Besuchs von Theatern, Konzerten, Kinos für Juden

Totale Ausschaltung aus dem Wirtschaftsleben für Juden

15. November
Reichserziehungsministerium: jüdischen Kindern ist der Besuch öffentlicher Schulen untersagt

17. November
Britisches Unterhaus: deutsche Juden dürfen nur noch in den Kolonien angesiedelt werden

17. und 25. November
Letzte kollektive Aktionen jüdischen Widerstands: Verlangen von über 40 Juden polnischer Staatsangehörigkeit nach Wiedereröffnung von zwei Synagogen zur Abhaltung von Gottesdiensten

19. November
Niederlande: Schließung der Grenze für jüdische Flüchtlinge

22. November
Belgien: Einschränkung des Zuzugs von Juden

28. November
Reichsministerium des Innern: Beschränkung der Bewegungsfreiheit bzw. Wohnraumbeschränkung für Juden

29. November
Besitz von Brieftauben ist „Nichtariern" verboten

2. Dezember
Flüchtlingskommission von Evian: Ansiedlung jüdischer Emigranten generell nur noch in Übersee-Kolonien

3. Dezember
Zwangsverkauf jüdischer Geschäfte; „Nichtariern" wird der Verkauf von Wertpapieren und Schmuck untersagt
Entzug der Führerscheine von den Juden

5. Dezember
Kürzung der Pension für entlassene jüdische Beamte

6. Dezember
Verbot für „Nichtarier", bestimmte Gebiete innerhalb der Reichshauptstadt Berlin zu betreten.

8. Dezember
Ausschluss von jüdischen Studenten von Universitäten und Hochschulen

(ab Jahresende) Emigration wird zur Flucht

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1939
Erneute Deportation von wahrscheinlich 1.000 Juden an die polnische Grenze

17. Januar
Berufsverbot für jüdische Dentisten, Zahntechniker, Tierärzte, Apotheker, Heilpraktiker und Krankenpfleger

24. Januar
Reichszentrale für jüdische Auswanderung gegründet

30. Januar
Hitler droht in einer Reichstagsrede mit der „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa"

21. Februar
Juden müssen ihren Besitz an Edelmetallen und -steinen abliefern

April
Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden: Exmittierungen in großer Zahl, Zwangsumsiedlung in 47 „Judenhäuser" in der Humboldtstraße, Keilstraße, Blümelstraße (jetzt Löhrstraße), Funkenburgstraße, Jacobstraße, Gustav-Adolf-Straße, Auenstraße (jetzt Hinrichsenstraße) und Gerberstraße. Im Ghetto, d.h. in den Judenhäusern leben 2360 jüdische Haushalte

5. Mai
Sämtliche Rassengesetze auch in Österreich gültig

17. Mai
Zahl der Juden in Deutschland: 213.930

Britisches Weißbuch zu Palästina: Verbot der Einwanderung von Juden

4. Juli
Die Umwandlung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland in die Reichsvereinigung wird gesetzlich festgelegt – das heißt, die Reichsvereinigung deutscher Juden zwangsgegründet

Auswanderung deutscher Juden zwischen dem 1. Januar 1939 und dem 1. September 1939: 157.000

1. September
Ausbruch des II. Weltkrieges

September
Mit Kriegsausbruch weitest gehende Einschränkungen der Emigrationsmöglichkeiten, Kennzeichnung der Lebensmittelkarten für Juden mit „J"

12. September
Einkaufsbeschränkungen (seit 1. September Ausgangsbeschränkungen) für „Nichtarier"

21. September
Konzentration der polnischen Juden in Ghettos

23. September
Rundfunkempfänger müssen von den Juden abgeliefert werden: Termin: der Jom-Kippur-Tag

12. Oktober
1. Deportation von Juden aus Österreich nach Polen

17. Oktober
1. Deportation von Juden aus der ehemaligen SR in das geplante „Judenreservat" Nisko/San.

24. Oktober
Einführung des Gelben Sterns in Wloclawek (ab 23. November im ganzen ehemaligen Polen)

14. November
Juden werden die Reichskleiderkarten/-Textilbezugsscheine entzogen

Jahresende
Schließung des Israelitischen Krankenhauses (Eitingon-Stiftung) in Leipzig, Zwangsverlegung der Kranken in eine Ghetto-Baracke in Dösen

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1940
Kennzeichnung jüdischer Bürger durch eine Armbinde

12. Februar
Erste Deportation deutscher Juden nach Osten: Deportation von ca. 12.000 Juden aus Stettin in die Umgebung von Lublin

März
Auflösung des „Judenreservates" Nisko

20. Mai
Errichtung des Vernichtungslagers Auschwitz

4. Juli
Einkaufszeiten für Juden auf die Zeit von 16 bis 17 Uhr eingeschränkt

29. Juli
Reichspostministerium: Entzug der Telefonanschlüsse „nichtarischer" Teilnehmer

12. - 17. Oktober
Erste Deportation von Juden aus Österreich und der Tschechoslowakei nach Polen

15. November
Abriegelung des Warschauer Ghettos

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1941
7. Januar
Reichsfinanzministerium: Sondersteuer für Juden von 15 %

22. Januar
Pogrome in Rumänien

13. Februar
Befehl zur Deportation der Wiener Juden nach Osten – (Februar/März) Deportation von ca. 5.000 Juden aus Wien in die Umgebung von Kielce.

22. Februar
Aufbau des IG-Farben-Werkes in Auschwitz; am 1. März werden dem Werk in Monowitz 10.000 Häftlinge für die Bauarbeiten zur Verfügen gestellt.

7. März
Zwangsarbeit für „Nichtarier"

20. März
Abriegelung des Krakauer Ghettos

25. März
Hirtenbrief des Freiburger Erzbischofs: Der Fluch des Christusmordes kommt über die Juden

14. April
1. Massenverhaftung von 3.600 Juden in Paris

30. Mai
Rassengesetz in Serbien

31. Mai
Rassengesetz im ehemaligen Polen

28. Juni
Pogrom in Kowno: 3.800 Tote

Juni
Reichsführer SS Himmler an Höss, Lagerkommandant von Auschwitz: Umstellung des Lagers auf Massenvernichtung

21. Juni
Überfall Nazi-Deutschland auf die UdSSR

8. Juli
Abzeichenpflicht (Gelber Stern) im Baltikum

29. August
Rassengesetz in der Slowakei

1. September
Abzeichenpflicht in Deutschland für alle Juden, die ihr sechstes Lebensjahr vollendet haben. Seit (15. oder 19. September) müssen Juden den gelben „Judenstern" sichtbar tragen, zahlreiche Verhaftungen

11. September
Der jüdische Kulturbund in Deutschland wird aufgelöst

13. September
Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist Juden nur noch begrenzt gestattet

26. September
Pogrom in Kiew: 34.000 Tote

1. Oktober
Auswanderungsverbot für Juden aus dem deutschen Einflussbereich


In Deutschland leben noch 163.869 Juden; vom 1. September 1939 bis 1. Oktober 1941 wanderten noch etwa 13.000 Juden aus, seit 1933 verließen über 300.000 deutsche Juden das Hitlerreich.

10. Oktober
Erlaubnispflicht für Juden bei Verkehrsmittelbenutzung und Wohnortwechsel

14. Oktober
Massendeportationen aus Deutschland nach Osten

16. bis 19. Oktober
Erste Deportationen von Juden aus Wien, Prag und Berlin in das Ghetto Lodz

4. November
Per Erlass fällt das Vermögen der Verschleppten an den Staat

24. November
Ghetto Theresienstadt errichtet und erste Transporte dorthin

12. Dezember
„Erfassung" der französischen Juden im Lager Compiègne

21. Dezember
Juden ist die Benutzung öffentlicher Fernsprecher untersagt

22. Dezember
Pogrom in Riga, 25.000 bis 30.000 Tote

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1942
10. Januar
Die deutschen Juden müssen ihre Pelz- und Wollsachen abliefern

20. Januar
Wannsee-Konferenz zur „Endlösung der Judenfrage"

21. Januar
Beginn der „Endlösung" in Leipzig mit der Deportation von über 700 Juden in das Todeslager Riga

Weitere Verschleppungen aus Leipzig in Todeslager folgen, u. a.:

1942 (10. Mai) 369 Juden nach Belzyce bei Lublin;

1942 (13. Juli) 170 bis 191 Juden „nach Osten";

1942 (11./19. September) 443 bis 476 Juden nach Theresienstadt;

1943 (17. Februar) 184 Juden „nach Osten";

1943 (18. Juni) 28 Juden nach Theresienstadt;

1944 (13. Januar) 33 Juden nach Theresienstadt;

(Transporte finden auch nach Auschwitz, Buchenwald, Dachau u. a. KZ-Lager statt))

1942
31. Januar
Im Hinblick auf dem Wannsee-Konferenz „erste Bilanz": 229.052 ermordete Juden in Nordostrussland

Januar
Erste Gas-Massenmorde in Auschwitz-Birkenau

17. Februar
Per Erlass wird den deutschen Juden das Abo von Zeitungen und Zeitschriften verboten

17. März
Massenvernichtungslager Belzec errichtet; bis 21. März Deportationen aus Lublin nach Belzec

17. März
Ermordung des Reichsprotektors Heydrich in Prag

26. März
Massentransporte deutscher Juden nach Auschwitz

März
Wohnungen jüdischer Bürger müssen mit dem „Judenstern" gekennzeichnet sein; die Wohngemeinde darf nur mit polizeilicher Genehmigung verlassen werden

15. April
Stern-Kennzeichnen auch für Wohnungen von Juden

22. April
Besuch „arischer" Friseure für Juden verboten

April bis Juni
Weitere Transporte aus Deutschland nach Osten

1. Mai
Öffentliche Verkehrsmittel für Juden verboten

15. Mai
Haustierhaltung für Juden verboten

17. Mai
KZ Sobibor errichtet

1. Juni
Gelber Stern in Frankreich und den Niederlande

18. Juni
„Nichtarier" müssen ihre elektrischen und optischen Haushaltsgeräte, ihre Fahrräder und Schreibmaschinen abliefern

22. Juli
Bis zum 3. Oktober werden 310.000 Juden aus dem Ghetto Warschau nach Belzec und Treblinka verbracht

30. Juli
„Nichtarier" müssen ihre edelmetallischen Kultgegenstände abgeben

9. Oktober
Den Juden wird der Bücherkauf verboten

19. Oktober
Fleisch- und Milchmarken sowie die Kaufberechtigung für Weizenerzeugnisse werden entzogen

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1943
13. März
„Liquidierung" des Krakauer Ghettos

19. April
Beginn des Aufstandes im Ghetto von Warschau

16. Mai
Warschauer Aufstand blutig niedergeschlagen. Lt. SS-Brigaderführers und Generals der Polizei Stroop: Gesamtzahl der erfassten und nachweislich vernichteten Juden insgesamt: 56.065

10. Juni
Reichsvereinigung der Juden in Deutschland aufgelöst

11. Juni
Befehl Himmlers: Alle Ghettos zu „liquidieren"

21. Juni
Bis 27. Juni Ghetto Lemberg liquidiert

25. Juni
Gescheiterter Aufstand des Ghettos Tschenstochau; Ermordung der Überlebenden

1. Juli
Jegliche Rechtschutz für Juden erloschen

2. August
Gescheiterter Aufstand des KZs Treblinka

16. August
Bis 23. August Ghetto Bialystok nach vergeblichem Aufstand liquidiert

11. September
Bis 14. September Ghetto Minsk liquidiert

23. September
Ghetto Wilna liquidiert

14. Oktober
Aufstand in KZ Sobibor gescheitert

19. Oktober
Bilanz der „Aktion Reinhard": 178.745.960,59 RM zuzüglich 11.889.822,54 RM „laufende Ausgaben" und Sachwerte in Höhe von 180.000.000 RM

3. November
Ghetto Riga liquidiert

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1944
8. März
Massentransporte von Theresienstadt nach Auschwitz

29. März
Rassengesetz in Ungarn

3. April
Gelber Stern in Ungarn eingeführt

5. April
Verhandlungen zwischen zionistischen Organisationen und der SS über die Freilassung von 100.000 ungarischen Juden gegen Zahlung von zwei Millionen Dollar scheitern

17. Mai
Erste Transporte aus Ungarn nach Auschwitz

24. Juli
Majdanek wird von den Deutschen aufgegeben

25. Juli
Ghetto Kowno liquidiert

21. August
Bis 15. September Ghetto Lodz liquidiert

1. September
In Deutschland leben noch 15.574 Juden

7. Oktober
Vergeblicher Aufstand in Auschwitz-Birkenau; letzter Massenmord am 28. November

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1945
Letzter Transport mit 169 jüdischen Bürgern nach Theresienstadt

17. Januar
„Evakuierung" von Auschwitz

14. Februar
Rückkehr der meisten der 169 jüdischen Bürger nach der Befreiung von Theresienstadt durch die Sowjetarmee

15. April
Bergen-Belsen „aufgegeben"

7. Mai
Ghetto Theresienstadt „aufgegeben"

8. Mai
Kapitulation Nazi-Deutschlands

Niederlage des Hitler-Faschismus und die Wiederetablierung der jüdischen Gemeinde in Sachsen

Mai/Juni
Neugründung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig als erster Schritt zur Wiedererrichtung des jüdischen Lebens in der Stadt

 
 
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