Carlebachstraße - Juden in Sachsen

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Carlebachstraße

1992 -

Die Carlebachstraße in Mockau-Nord gibt es seit 1992. Sie entstand durch Umbenennung der Paul-Heine-Straße. Namensgeber ist der orthodoxe Rabbiner und Schuldirektor Dr. Ephraim Carlebach.  Ephraim Carlebach, Sohn des Lübecker Rabbiners Dr. Salomon Carlebach, wurde 1901 als Religionslehrer und Leiter des Religionsschule des Talmud-Thora-Vereins nach Leipzig berufen.

Das Wirken Carlebachs symbolisiert gravierende Veränderungen im Leben der Israelitischen Gemeinde zu Leipzig, hervorgerufen durch den Aufstieg ostjüdischer und orthodox orientierter Geschäftsleute wie des Bankiers Hans Kroch und des Rauchwarenhändlers Eitingon. Sie stützten den 1901 entstandenen orthodoxen Talmud-Thora-Verein (zugehörig zur Brodyer oder Talmud-Thora-Synagoge in der Keilstraße), der neben der dominierenden liberalen Gemeinde Anlaufpunkt für die orthodoxen ostjüdischen Zuwanderer wurde, verortet etwa in der südlichen Nordvorstadt Leipzigs.

1924 wurde mit Ephraim Carlebach erstmals in Leipzig ein orthodoxer Gemeinderabbiner berufen. Damit gehörten zum Gemeindeamt nunmehr ein Liberales Rabbinat (Dr. Felix Goldmann, Gustav Cohn) und ein Orthodoxes Rabbinat (Dr. Ephraim Carlebach). Nach dem Bau der orthodoxen  Ez Chaim Synagoge (Eitingon) in der Otto-Schill-Straße war Carlebach Rabbiner der orthodoxen Synagogen, sowohl der Talmud Thora Synagoge als auch der Ez Chaim Synagoge.

Innerhalb von 23 Jahren war es Ephraim Carlebach und den einflußreichen Vertretern des Talmud-Thora-Vereins gelungen, das orthodoxe Rabbinat zu etablieren. Carlebachs Beitrag bestand außer seiner glänzenden und aufgrund seiner humanistischen und schöngeistigen Ausbildung überzeugenden Tätigkeit als Prediger in der Talmud-Thora-Synagoge zuallererst in seiner Lehrtätigkeit. 1912 gründete er die Höhere Israelitische Schule in der Gustav-Adolf-Straße 7 und war bis 1935 deren Direktor.

Die Schule wurde verwaltungstechnisch als 6. Realschule der Stadt und Höhere Töchternschule geführt. Zum Lehrerkollegium gehörten jüdische und nichtjüdische, liberale, zionistisch gesinnte und orthodoxe Lehrer, Sozialdemokraten, Anhänger der Zentrumspartei und Deutschnationale. Entsprechend dem Mendelssohnschen Vorbild sollten jüdisches Wissen, musische Ausrichtung und Sprachkultur in einem pädagogischen Gesamtkonzept aufgehen.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Carlebach 1934  als Schuldirektor beurlaubt. Im März 1936 emigrierte er schwer erkrankt  nach Palästina und verstarb noch im selben Jahr.

Literatur:

  • Diamant, Adolf: Chronik der Juden in Leipzig, Heimatland Sachsen, 1993, Chemnitz, Leipzig, 143, 169, 210-212, 215, 460.

  • Ephraim Carlebach Stiftung [Hrsg.]: Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Leipziger Gemeindesynagoge: 1855-1930 Leipzig, New York, arani, 1994, Berlin, 68.

  • Ephraim-Carlebach-Stiftung [Hrsg.], Judaica Lipsiensia: Zur Geschichte der Juden in Leipzig, Edition Leipzig, 1994, Leipzig, 15, 285-287.

  • Höppner, Solvejg; Jahn, Manfred: Jüdische Vereine und Organisationen in Chemnitz, Dresden und Leipzig 1918 bis 1933: Ein Überblick, Sächsisches Druck- und Verlagshaus, 1997, Dresden, 24, 42, 45.

  • Kirchhof, Heike: Jüdisches Leben in Leipzig: Gestern - Heute – Morgen: Ein Literatur- und Bestandsverzeichnis der Rolf-Kralovitz-Bibliothek der ECS Stiftung Leipzig, 2006, Leipzig, 97-98.

  • Kowalzik, Barbara: Wir waren eure Nachbarn: Die Juden im Leipziger Waldstraßenviertel, Pro Leipzig, 1996, Leipzig, 61-67.

  • Riedel, Horst: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Pro Leipzig, 2005, Leipzig, 87.

  • Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, Meldekartei Leipzig, SF 6642/0117 f.


 
 
 
 
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